Im Tonstudio – Verhalten, Outfit und die Tonkabine

Die erste Aufnahme im Tonstudio steht vor der Tür. Vorab solltest du dich informieren, welche ungeschriebenen Gesetze dort gelten, was du zur Aufnahme mitbringen solltest und was in so einer Tonkabine eigentlich auf dich zukommt.

Im Artikel „Die perfekte Vorbereitung Teil 1“ konntest du dich ja bereits über die richtige Songauswahl informieren und in „Die perfekte Vorbereitung Teil 2“ über das Aufwärmen der Stimme, das Einstudieren deines Songs und die DOs und DON’Ts des Speiseplans. In diesem Artikel erfährst du nun, welche wichtigen Verhaltensregeln du beachten solltest, wie du dich passend für die Aufnahme kleidest und wie ein Tag im Studio generell so abläuft.

Die goldenen Tonstudio-Regeln…

…gibt es eigentlich nicht, denn jeder Produzent legt Wert auf unterschiedliche Dinge. Ein paar Grundlegende Basics lassen sich aber durchaus festhalten.

Einsingen: Das Aufwärmen deiner Stimme sollte möglichst schon zu Hause stattfinden und nicht draußen vor dem Studiokomplex. In Wohngebieten fühlen sich die Anwohner sonst schnell gestört und auch in Industriegebieten könnte lauter Gesang die Leute von der Arbeit abhalten. Solltest du aus irgendeinem Grund nicht vor dem Besuch im Tonstudio zum Einsingen kommen, so bitte einfach den Produzent, ob du ein paar Minuten früher kommen darfst, um dich in einem separaten Raum kurz einzusingen.

Essen und Trinken: Meist gibt es in Studios einen Aufenthaltsraum, in welchem mitgebrachte Speisen und Getränke verzehrt werden können. Da im Aufnahmeraum selbst viele wertvolle Geräte stehen, ist Essen dort nicht gerne gesehen. Ein stilles Wasser mitzunehmen, auch in die Tonkabine, sollte eigentlich kein Problem sein. Zur Sicherheit solltest du den Toningenieur aber kurz fragen, ob du dein Getränk mitnehmen darfst und wo du dieses während der Aufnahme am besten hinstellst.

T-Shirt oder Pullover – was sollte ich anziehen?

Die Frage muss wohl eher lauten: Was sollte ich nicht anziehen? Generell sollte das Outfit gemütlich sein und dich nirgendwo einengen oder in der Bewegungsfreiheit einschränken. Vermeide knisternde Stoffe, da diese Geräusche sonst auf der Aufnahme zu hören sein könnten. Schmuck sollte vor der Aufnahme abgelegt werden. Insbesondere Ohrringe können zum einen unter dem Kopfhörer stören und zum anderen auf der Aufnahme klappern – ebenso längere Ketten oder Armreifen.

Tasche packen – was benötige ich im Tonstudio?

Für eine Session im Tonstudio solltest du unbedingt ein Getränk, möglichst stilles Wasser, Apfelschorle ohne Kohlensäure oder Tee dabei haben. Ratsam ist es dein Getränk in eine Sport-Trinkflasche zu füllen. So kann selbst beim Umfallen der Trinkflasche das teure Studioequipment nicht beschädigt werden.

Außerdem musst du, wenn nicht vorher anders besprochen, dein Instrumental-Playback am besten auf einem USB-Stick mitbringen, nachdem du es zuvor zu Hause kontrolliert hast. Je nachdem kannst du am Ende der Aufnahme-Session ja vielleicht sogar schon eine erste Version deines Songs auf dem Stick mit nach Hause nehmen.

Es ist wichtig, dass du deinen Songtext zweimal ausgedruckt mit ins Studio nimmst. Einen für den Toningenieur / Produzenten, den anderen für dich. Während der Aufnahme musst du immer wieder einzelne Parts erneut singen. Wenn beide ein Textblatt haben, so kann man sich leichter über den Abschnitt verständigen und muss nicht erst umständlich umschreiben, von welcher Stelle die Rede ist. Beachte, dass die Schrift auf dem Textblatt nicht zu klein ist, damit du sie auch noch aus einer Entfernung von 70 cm bis 100 cm gut erkennen kannst. Dies ist in etwa der Abstand zwischen dem Mikrofon und dem Notenständer in der Tonkabine.
Es ist auch eine Erleichterung für dich selbst, den Songtext vor Augen zu haben. Zwar hast du den Song schon hundert Mal gesungen und hast ihn auswendig gelernt, aber im Studio kommt noch die Nervosität dazu. Empfindest du beim Singen also eine kurze Unsicherheit, so kannst du einfach kurz aufs Blatt schauen und musst nicht die Aufnahme abbrechen und den Produzenten fragen.

Abrocken in der Tonkabine – was muss ich beachten?

Sicherlich ist es förderlich, wenn du dich fallen lassen kannst und dich dem Song zu 100 Prozent hingibst. Jedoch unterscheidet sich eine Studioaufnahme völlig von einer Live-Performance. Im Studio musst du sehr konzentriert sein – man kann schließlich jede Unregelmäßigkeit in deiner Stimme sofort hören. Daher spielt eine gerade Haltung und ein fester Stand (Gewicht auf beide Beine verteilen) eine große Rolle – dies unterstützt die Stimme positiv. Das „Abrocken“ kannst du dir ja für die Einwürfe am Schluss aufheben!

Vor Beginn der Aufnahme wird der Produzent noch die Einstellungen des Sounds, welchen du über den Kopfhörer hörst, mit dir besprechen. Hier kannst du sagen, ob du das Playback oder deine Stimme noch leiser oder lauter hören möchtest und auch, ob du vielleicht einen Effekt, z.B. ein wenig Hall, auf deiner Stimme haben möchtest. So klingt die Stimme gleich etwas professioneller, was dir wiederrum ein Gefühl von Sicherheit beim Singen bereitet.

Sollten sich während der Aufnahme einmal schiefe Töne einschleichen, die du bemerkst, solltest du die Aufnahme nicht abbrechen. Für jede Stelle, seien es die Strophen, der Chorus oder die Einwürfe (auch genannt ad libs), wird es mehrere Durchgänge geben, aus welchen am Ende die schönsten Takes zusammengeschnitten werden. Solltest du letztendlich einen Ton gar nicht treffen, so besteht immer noch die Möglichkeit, diesen per Computer gerade zu ziehen. Verwendet man diesen Effekt allerdings zu häufig, so wird die Aufnahme sehr elektronisch und künstlich klingen.

Und wie sieht so eine Tonkabine von innen aus?

Tonkabinen können vollkommen unterschiedlich sein von deren Größe oder Aussehen. Einige Gegenstände gehören jedoch überall zur Ausstattung…

Erstens: Der Mikrofon-Ständer und das Mikrofon. Der Ständer lässt sich in der Höhe regulieren und wird vor Beginn der Aufnahme deiner Größe angepasst. Vor dem Mikrofon klemmt der sogenannte Popschutz. Dieser sorgt dafür, wie der Name bereits andeutet, dass „Pop-Laute“ abgeschwächt werden, indem der Luftstoß vor dem Mikrofon abgebremst wird. Auch diesen wird der Toningenieur vor der Aufnahme anpassen. Der Abstand vom Mund zum Mikro (bzw. zum Popschutz)  beträgt in der Regel ca. 10-15cm. Je nach Klang kann dies jedoch individuell auch sehr unterschiedlich sein.

Zweitens: Der Kopfhörer. Dieser ist kein Kopfhörer, wie du ihn von deinem MP3-Player kennst, sondern ein großer Profi-Kopfhörer. Beim Aufsetzen des Kopfhörers ist es wichtig, dass ein Ohr frei gelassen wird. So hörst du dich zum einen über den Kopfhörer, zum anderen aber auch unmittelbar und natürlich – wie beim Üben zu Hause. So fällt es leichter die eigenen Töne zu kontrollieren und zu korrigieren. Ein dritter, meist vorhandener Gegenstand ist der Notenständer. Diesen solltest du dir so einstellen, dass du, ohne dich vom Mikro weg zu bewegen, deinen Songtext gut lesen kannst.

Wenn du dir die in diesem Artikel beschrieben Regel und Tipps zu Herzen nimmst, wird deine Aufnahme sicherlich ein voller Erfolg. Vor allem sollte der Spaß an der Aufnahme, trotz hoher Konzentration und gelegentlichem Zeitdruck nicht verloren gehen!