Phänomen „Castingshow“ – auch für dich einen Versuch wert?

Castingshows ziehen jedes Jahr tausende Sängerinnen und Sänger vor die Jurys. Du spielst vielleicht auch mit dem Gedanken, dich zu bewerben? Gesangskarriere.com erläutert die Vor- und Nachteile, deine Möglichkeiten und verrät, wie du dich richtig auf ein Casting vorbereitest.

Nachdem ‚Deutschland sucht den Superstar‘ und ‚Popstars‘ erfolgreich starteten, folgten noch einige weitere: ‚Star Search‘ kam aus den USA ins deutsche Fernsehen. Bereits Britney Spears, Christina Aguilera und Justin Timberlake versuchten hier ihr Glück. Die ‚Fame Academy‘ castete im Jahr 2003 die Pop-Gruppe ‚Become One‘, ‚X Factor‘ startete 2010 nach Leona Lewis riesigem Welterfolg und eine der neuesten Shows kommt 2011 aus den Niederlanden – ‚The Voice of Germany‘. Doch welche Casting-Show ist eigentlich für wen geeignet?

Wo sollte ich mich anmelden – DSDS vs. The Voice of Germany

Jede Castingshow ist für eine unterschiedliche Zielgruppe geeignet. Der Klassiker ‚DSDS‘ hat sich fast ausschließlich auf junge Solo-Sängerinnen und Sänger spezialisiert im Gegensatz zu Popstars, wo es um das Finden einer Girl- oder Boy-Band geht. Während die Kandidaten bei ‚DSDS‘ trotz der neuen ‚auch über 30-jährige dürfen zum Casting kommen‘-Regel einen sehr niedrigen Altersdurchschnitt vorweisen, zieht die neue Sendung ‚The Voice of Germany‘ auch viele ältere Künstler zum Casting. X Factor bietet als einzige Sendung Solo-Künstlern, Gesangsgruppen und seit neuestem auch gestandenen Bands die Möglichkeit, sich beim Casting zu beweisen.

Aus diesen Abgrenzungen ergibt sich für dich vielleicht schon eine erste Tendenz, welche Sendung für dich die Richtige ist. Solltest du Mitglied eine Gruppe oder Band sein, ist die Wahl nicht schwer: X Factor. Ist dein Ziel Mitglied einer Girlgroup zu werden, ist die Sache ebenfalls recht klar: Popstars. Als Solo-Sänger/in musst du dich ja auch nicht von vornherein entscheiden – melde dich doch einfach bei verschiedenen Sendungen an und lass das Schicksal entscheiden, zu welcher Show du eingeladen wirst.

Definiere deine Beweggründe und Ziele

Es gibt viele unterschiedliche Motivationen zu einer Castingshow zu gehen. Die erste liegt natürlich auf der Hand: einen Plattenvertrag zu bekommen. Viele träumen von der großen Karriere und du solltest dir bewusst machen, dass auch das Gewinnen einer Castingshow noch keine Garantie für einen riesigen Erfolg ist. Das liegt nach dem Finale zu großen Teilen in deiner eigenen Hand – stell dir also die Frage, ob du bereit bist sehr viel Zeit und Energie über einen langen Zeitraum in dein künstlerisches Projekt zu investieren.

Eine Castingshow kann auch ein Sprungbrett sein. Du lernst während des mehr-monatigen Prozesses viele Leute kennen und hast die Chance, interessante Kontakte zu knüpfen. Manch einer, der bereits relativ am Anfang ausgeschieden ist, hat heutzutage größeren Erfolg, als der Gewinner selbst. Ein gutes Bespiel dafür ist Jennifer Hudson – sie ist inzwischen als Schauspielerin und Sängerin erfolgreich, obwohl sie bei American Idol lediglich Platz 7 belegte.

Manche gehen auch zum Casting, um sich einfach einmal von einer professionellen Jury bewerten zu lassen. Freunde neigen doch eher zu positiven Bewertungen und die Familie findet meist alles gut, was das eigene Kind macht. Eine Jury kann dir vielleicht den ein oder anderen Kritikpunkt mit auf den Weg geben, der dich als Künstler wirklich weiterbringen kann – beispielsweise, dass das Gefühl in deiner Stimme da ist, du aber noch an deiner Technik arbeiten musst. Oder du gehst ganz ohne Erwartungen zum Casting und genießt einen Tag mit Gleichgesinnten.

Aber wenn ich mich blamiere? Hier die Vor- und Nachteile einer Castingshow

Entscheidend ist generell, was du selbst erwartest und was du aus deinem Casting-Besuch machst. Natürlich gibt es auch den ein oder anderen Faktor, den du nicht zu 100% beeinflussen kannst. Immer wieder sieht man Leute bei den Castings, die sich unglaublich blamieren und über die halb Deutschland lacht. Das muss aber nicht passieren und lässt sich durch verschiedenen Dinge vermeiden: 1. Singe deine Songs möglichst vielen Leuten vor und bitte sie um ihr ehrliches Urteil. Raten dir die meisten Leute von einem Vorsingen im Fernsehen ab, so höre auf sie. Deine Freunde wollen ja schließlich das Beste für dich und vor allem möchten sie nicht, dass du zum Gespött der Leute wirst. 2. Bereite dich gut vor! Texthänger und schiefe Töne finden schnell den Weg auf den Bildschirm. 3. Sei du selbst und versuche nicht als jemand aufzufallen, der du nicht bist. Wenn du eine Rolle spielst, erreichst du nicht, als Künstler ernst genommen zu werden, sondern dein Verhalten dient lediglich dazu, ins Fernsehen zu kommen. Wäre Kelly Clarkson im Clowns-Kostüm zu American Idol gegangen, wäre sie heutzutage sicherlich nicht auf Welttournee. Du hast dein Schicksal, was den Punkt „Blamage“ angeht, also in den eigenen Händen.

Auch was du letztendlich aus dieser Erfahrung mitnimmst, hängt viel von deiner Einstellung ab. Die Leute, die in der Jury sitzen, haben sicherlich Ahnung von Musik – trotzdem haben sie aber ein subjektives Empfinden und es kann durchaus passieren, dass du gut singst, sie aber trotzdem kein Fan von dir sind. Höre genau zu, was sie an dir konstruktiv kritisieren, aber lass dich von einem „Rausschmiss“ nicht entmutigen. Sehr viele gute Sängerinnen und Sänger versuchen ihr Glück und es ist einfach nicht für jeden Platz in den Motto-Shows.

Viele kritisieren den Punkt, dass Leute aus Castingshows ihr Image nie mehr so ganz los werden. Doch es gibt auch Gegenbeispiele – oder denkt bei Justin Timberlake noch jemand an Star Search?

Eine gute Vorbereitung ist das A und O

Du solltest das Casting, auch wenn du keine hohen Erwartungen hast, als professionellen Auftritt sehen. Immerhin sitzen einige Leute im Studio, die ganz genau auf jeden Ton achten, den du singst. Also bereite dich ausgiebig vor. Du solltest dir mindestens drei Lieder aussuchen (wenn nicht laut Einladung sogar mehr gewünscht sind) und diese mit Playback und a cappella üben. Singe diese Lieder zuvor unbedingt Familie und Freunden vor und bitte sie um ihre ehrliche Meinung. Am besten du suchst drei Personen aus, die sich vor dich hinsetzen, um die Situation vor der Jury durchzuspielen. Sage ihnen, dass sie dir Fragen stellen sollen, die die Jury eventuell auch stellen wird, z.B. ‚Wie bist du zur Musik gekommen‘ oder ‚Warum solltest du dieses Casting gewinnen‘. Besser du machst dir vor dem Casting Gedanken über mögliche Fragen und Antworten, als dass dir nichts einfällt, wenn es darauf ankommt.

Am Abend vor dem Termin solltest du dir unbedingt schon alles zurechtlegen, was du zum Casting mitnehmen möchtest (z.B. Getränke, Glücksbringen, etc.) und musst (Playbacks, Kopie vom Perso, etc.), damit du auch wirklich nichts vergisst und nachher die lange Vorbereitung umsonst war. Am Casting-Tag solltest du ausgeschlafen sein und gut frühstücken, denn die Wartezeit vor Ort kann lang werden. Nimm dir einen Apfel mit – der ist gut für deine Stimme. Auf keinen Fall solltest du vor dem Singen Schokolade, Chips oder Gummibärchen essen. Die belasten die Stimmbänder nur unnötig.

Was soll ich singen?

Den richtigen Song für dich findest du am leichtesten, wenn du ein paar Freunde mit musikalischem Gehör zu dir einlädst und ihnen die unterschiedlichsten Lieder a cappella vorsingst. Sie sollen darauf achten, ob du die schweren Töne triffst, ob der Song zu dir passt und vor allem, ob du ihm eine individuelle Note verpasst oder eigentlich jeden Ton des Originals kopierst. Lass dir dann von deinen Freunden sagen, welche Songs sie in deiner Version besonders beeindruckt haben. Aus diesen solltest du dann deine Casting-Songs auswählen. Dasselbe kannst du danach noch mit den Playback-Versionen machen. So stehen die Chancen gut, dass auch die Jury von deinem Vorsingen begeistert ist.